Mein Rücken und ich: Es tut nicht mehr weh

| 21. Okt. 2010

Ich gehe immer noch aufrecht. Und es tut auch nicht mehr weh. Foto: privat.

Es waren drei Monaten vor drei Jahren, da wurde alles anders. Dieser Satz klingt eigentlich viel zu banal für seine ganze schmerzhafte Tragweite, aber bitte: Begonnen hatte die ganze Geschichte mit einer zünftigen Lungenentzündung, in deren Folge ich das Rauchen zuerst gänzlich abgeschafft und dann kürzlich in homöopathischen Dosen wieder eingeführt habe. Das hat dann alles in einem gemeinen Rückenschmerz geendet, der sich so lange ignorieren und halbherzig bekämpfen ließ, bis der Weg aus dem Bett zur fast unlösbaren Aufgabe geriet (während der man übrigens in einigen Momenten wie im Groschenroman beschrieben sein Leben an sich vorbei ziehen sieht) und die Linderung vor allem darin bestand, sich über den Esstisch zu hängen. Ja, richtig geraten, alles sehr demütigend. Aber immerhin weiß ich nun, wie sich der von Peter Fonda gespielte Imker im weltbesten Film über Honigbienen, „Ulee’s Gold“, fühlt, wenn er auf dem Boden seines Hauses liegt und wartet, bis er endlich wieder gehen kann.

Schmerzen zum 33. Geburtstag

So kurz vor dem 33. Geburtstag als Krüppel herum zu schlurfen, machte jedenfalls keine große Freude. Vor allem, weil es einem viel Zeit zum Nachdenken beschert. Und da gehen die virtuellen Planspiele vor allem in eine Richtung: Das Früher ist vorbei, das Heute sieht anders aus – und ob es einem gefällt, wird im Wesentlichen vom Faktor bestimmt, wie lange man noch aufrechten Ganges durchs Leben gehen möchte. Eine Sackgasse also.

Nur kurz zur Erläuterung das Früher, von dem hier die Rede ist: In dieser Ära fängt der relevante Teil des Körpers beim Scheitel an, endet beim Kinn und ist bis zu den Zehen – abgesehen von der logischen Ausnahme in Lendengegend – nur eine Art Trägermedium fürs Gehirn. Er trägt es in Lokale, in denen Alkohol ausgeschenkt wird, er trägt es zu Schreibtischen, an denen sich Geld verdienen lässt, er trägt es ins Bett, wenn es an einem der beiden Orten zu viel Zeit verbracht hat.

Die Rückenschmerzen haben mein Leben verändert

Die Zwischenphase zum Heute, wo jeder Missbrauch des Trägermediums namens Körper immer mehr zu spüren war, ging noch irgendwie. Doch vor allem ging sie in diesen drei Monaten vor drei Jahren endgültig vorbei.

Oder doch nicht?

Bilanz, Oktober 2010. Es ist tatsächlich alles anders. Und es ist rückblickend nur halb so schlimm. Denn in Wahrheit hat mir der Rückenschmerz einen neuen Bezug zu meinem Körper geschenkt. Ich achte jetzt mehr darauf. Ich versuche, regelmäßig Sport zu treiben (und schaffe das auch meistens). Ich spüre den Schmerz nur mehr selten, und wenn, dann meistens, weil ich zu lange gesessen bin. Wenn das passiert, weiß ich heute, dass ich wieder in alte Muster zurück gefallen bin. Gebückt vor dem Bildschirm endlos durcharbeiten und dabei die Signale des Körpers ignorieren.

Und es passiert mir immer seltener. Ich habe – zumindest heute – meinen Rücken im Griff. „Sie stehen knapp vor dem Bandscheibenvorfall“, hat mir ein Arzt während der drei Monate vor drei Jahren einmal gesagt. Es ist bis heute nichts passiert. Aber sicher nur, weil ich etwas unternommen habe.

Eberhard Lauth, Oktober 2010.

Wer schreibt hier? Hier schreibt eine Gastautorin oder ein Gastautor für die Rückenhelfer. Sie werden von der Redaktion ausgewählt, weil sie zum Thema besondere Erfahrungen und Expertenwissen beizutragen haben. Autorenprofil ansehen.

Kommentare sind geschlossen.