Akute Hilfe bei Bandscheibenvorfall

| 16. Jun. 2011

Ab dem mittleren Lebensalter werden Bandscheibenvorfälle immer häufiger. Wir erklären, warum das so ist – und was Sie im Akutfall dagegen unternehmen sollten.

Ein Bandscheibenvorfall im Röntgenbild

Der Bandscheibenvorfall ist mit die häufigste Erkrankung des muskulo-skelettalen Systems, welche mit akuten Rückenschmerzen einhergeht. Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule. Sie dienen der Pufferung von axialen Erschütterungen und stellen zusätzlich die Ernährung der Wirbelkörper sicher, da sie Wasser mit darin gelösten Nährstoffen speichern können. Sie bestehen aus einem festen Faserring aus Bindegewebe, innen liegt geschützt ein gallertiger Kern.
Erschlafft das Bindegewebe im Laufe des Lebens, kommt es zu kleinen Mikrofissuren. Durch ein Verhebetrauma kann es bei einem vorgeschädigten Bindegewebsring schließlich zu einem größeren Riss kommen. Hat der gallertige Kern noch genug Spannung, kommt es zu einer Vorwölbung des Kerns oder sogar zu einem Bandscheibenvorfall. Das Bandscheibenmaterial kann schließlich auf das Rückenmark oder einen der Spinalnerven drücken und die klassische Symptomatik hervorrufen.

Ab welchem Alter Bandscheibenvorfälle häufiger werden

Diese Konstellation ist typischerweise im mittleren Lebensalter gegeben, so dass diese Erkrankung dort am häufigsten auftritt. Meist ist die Lendenwirbelsäule betroffen, jedoch kann der Austritt der Bandscheiben in jedem Wirbelsäulenabschnitt vorkommen.

In der Regel kommt es bei dem akuten Bandscheibenvorfall zu plötzlichen, sehr starken Rückenschmerzen (Lumbago). Nicht selten treten elektrisierende Ausstrahlungen auf, welche in das entsprechende Nerven-Gebiet ziehen. Da die Lendenwirbelsäule besonders häufig betroffen ist, projizieren sich die Schmerzen meist in das Bein. Nur in schweren Fällen kommt es zu Sensibilitätsverlusten und zu Störungen in der Muskelkraft bis hin zu Lähmungen.

Ist es zu einem Vorfall der Bandscheiben gekommen, sollten in erster Linie die Rückenschmerzen behandelt, sowie der Druck von dem eingeklemmten Nerven genommen werden.

Zuerst kommt die Behandlung der akuten Rückenschmerzen …

Bewährt haben sich Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (zum Beispiel Diclofenac), welche zeitgleich die reaktive Entzündung reduzieren. Um die Schwellung des Nervs zu therapieren, können Glukocorticoide eingesetzt werden. Ist es zu schmerzhaften Verspannungen gekommen, kann ein muskelentspannendes Medikament helfen.

Lindernd werden ebenfalls die Lagerung auf ein Stufenbett (also mit angewinkelten Beinen, um den Zug auf den Nerven zu reduzieren) und Wärmeanwendungen empfunden. Massagen sind bei Verspannungen sinnvoll, jedoch nicht als alleinige Therapie einzusetzen.

… dann  kommen die Rückenübungen

Um die Muskulatur zu stärken, sollte eine krankengymnastische Behandlung eingeleitet werden. Die Rückenübungen und die Rückenschule (unter anderem das richtige Heben) sollten zu Hause weiter kontinuierlich durchgeführt werden.

Ist es jedoch zu motorischen Ausfällen gekommen oder bessern sich die Symptome unter der konservativen Therapie nicht, steht die Indikation zu einer operativen Versorgung. Bei den minimal-invasiven Verfahren wird über einen kleinen Schnitt das prolabierte Bandscheibenmaterial entfernt. Wenn notwendig, kann über den Einsatz einer Bandscheibenprothese diskutiert werden. Liegen bereits ausgeprägte degenerative Veränderungen vor, kann eine Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenabschnittes die letzte Therapieoption bleiben.

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